Gemeinde Biebertal

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Informationen zum Thema Nahversorgung


Grundlegende Informationen zur Nahversorgung in Biebertal
 
Die Einzelhandelsstruktur hat sich in den letzten 10 Jahren sehr deutlich verändert. Kleinere Märkte, wie der Edeka-Markt, der sog. Bartak-Markt sowie der alte Rewe-Markt in Rodheim-Bieber haben geschlossen. In den kleinen Ortsteilen gibt es zumeist keine Lebensmittelhändler mehr. Die drohende Schliessung  des Aldi in Frankenbach als auch des Nahkauf in Fellingshausen vervollständigen das Bild. Es könnten nahezu monopolistische Strukturen eines einzigen größeren Lebensmittelmarktes in Biebertal entstehen.
 
Schauen wir uns die Thematik zunächst einmal aus Biebertaler Sicht an. Biebertal hat ca. 10.000 Einwohner. Im Bundesdurchschnitt gibt jeder Einwohner jährlich 1.686 € für Lebensmittel aus. Dies bedeutet, dass die Kaufkraft Biebertals bei ca. 16,8 Mio. Euro jährlich für Lebensmittel liegt.
 
Sehen wir uns die aktuelle Ist-Situation an. Als Lebensmittelversorger fungieren in Biebertal Rewe (Rodheim-Bieber), Aldi (Frankenbach) und Nahkauf (Fellingshausen).
 
Diese drei schöpfen die Kaufkraft Biebertals bei weitem nicht aus.
 
Schauen wir uns eine mögliche Konstellation der Zukunft an. Wie würde sich die Situation darstellen, wenn folgende Märkte existierten:
 
-          Rewe (Rodheim-Bieber)
-          Lebensmittelvollsortimenter am Standort Aldi (Frankenbach)
-          Nahkauf (Fellingshausen)
-          Penny-Markt (geplant im Baugebiet Burgblick Rodheim-Bieber).
 
Auch diese Konstellation würde die Biebertaler Kaufkraft nicht gänzlich binden?
 
Aus dieser Betrachtung heraus ergibt sich, dass ein Nebeneinander der vier genannten Märkte ohne weiteres möglich ist. Dies bestätigen auch Fachleute der Branche.
 
 
Ob die Biebertaler ihre lokalen Märkte annehmen, hängt von zwei Faktoren ab:
 
  1. Qualität der kaufmännischen Leistung sowie akzeptable wirtschaftliche Rahmenbedingungen (z.B. Höhe der Miete)
  2. Identifikation der Bürger mit dem lokalen Versorger vor Ort.
 
Märkte, die nur gefordert werden, in denen jedoch keiner einkauft, können auf Dauer nicht existieren.
 
 
In Frankenbach haben nach dem absehbaren Umzug von Aldi nach Hohenahr intensive Bemühungen mit Unterstützung des Bürgermeisters um einen entsprechenden Nachfolger als Lebensmittelhändler stattgefunden. Die zunächst erfolgversprechende Ansiedlung von Netto ist an wirtschaftlichen Fragestellungen (Höhe der notwendigen Investitionen – Mietdauer) gescheitert. Zur Zeit finden Verhandlungen der Eigentümerin mit Tegut statt. Eine Entscheidung, ob Tegut den Markt mieten möchte, kann unter Umständen noch im August 2011 fallen.
 
Schauen wir uns die Situation um den Nahkauf Fellingshausen etwas näher an. Der Nahkauf in Fellingshausen hat eine Verkaufsfläche von knapp 400 qm. Die Größenordnung entspricht in etwa der des ehemaligen Edeka- und des Bartak-Marktes in Rodheim-Bieber. In Läden dieser Größenordnung kann man als Kaufmann nicht reich werden. Man kann, wenn die wirtschaftliche Rahmenbedingungen und die Unternehmerleistung stimmen, über die Runden kommen. Dies setzt jedoch voraus, dass die Bevölkerung ihren lokalen Markt auch annimmt.
 
Der Nahkauf in Fellingshausen dient zur Versorgung des Ortsteiles Fellingshausen. Fellingshausen hat ca. 1.700 Einwohner, von denen jeder durchschnittlich die bereits genannten 1.686 € jährlich für Lebensmittel ausgibt. Dies bedeutet, dass Fellingshausen 2,866 Mio. € für Lebensmittel jährlich umsetzt. Damit der Nahkauf einen ausreichenden Umsatz erreicht, müssten die Fellingshäuser einen nennenswerten Teil ihrer Ausgaben für Lebensmittel in dem örtlichen Nahkauf tätigen. Die entscheidende Frage an dieser Stelle ist, ob die Fellingshäuser Bevölkerung ihren Lokalversorger in der Art und Weise annimmt, dass die notwendigen Umsätze vor Ort getätigt werden können.
 
Rewe-Nahkauf hatte zunächst keinen Kaufmann, der das Objekt übernehmen wollte. Rewe selbst und nicht der Betreiber hat den Markt von einem Investor gemietet. Der Mietvertrag läuft noch bis Ende 2013. Rewe hat seinen Untermieter aus dem Untermietverhältnis herausgelassen, was nicht selbstverständlich ist und von einer sozialen Verantwortung zeugt.
 
Aufgrund der wirtschaftlich grundsätzlich problematischen Situation eines Marktes in dieser Größenordnung, hat der Bürgermeister versucht, ein sog. „gemeinwirtschaftliches Modell“ umzusetzen. Im Kern geht es dabei darum, dass statt eines kommerziellen Unternehmers ein gemeinnütziges Unternehmen einen Lebensmittelmarkt betreibt. In diesem Lebensmittelmarkt würden Jugendliche ausgebildet, die sonst unter Umständen ohne Ausbildung blieben und zusätzlich würden auch Schwerbehinderte dort beschäftigt. Sowohl die Ausbildung Jugendlicher als auch die Beschäftigung von Schwerbehinderten wird mit staatlichen Zuschüssen bedacht. Weiterhin würde der Vorteil entstehen, dass ein solches gemeinwirtschaftliches Unternehmen umsatzsteuerlich anders behandelt würde, in dem für alle Waren nur 7 % Umsatzsteuer zu entrichten wären. Die staatlichen Zuschüsse und die geringere Mehrwertsteuer würden zu einer größeren Marge führen, so dass ein solches Unternehmen die Chance hätte, wirtschaftlich zu überleben. Prädestiniert für eine solche Tätigkeit wäre die Kreisgesellschaft Zaug. Diese setzt sich in ihrem Kern genau mit dieser Thematik, insbesondere der Ausbildung von Jugendlichen, auseinander. Es wurden konkrete Verhandlungen mit Zaug geführt. Diese wären vor gut einem Jahr sicherlich auch erfolgreich zum Abschluss gebracht worden. Leider hat sich die Förderkulisse für Zaug dramatisch verändert. Wurden bislang 53 Ausbildungsplätze gefördert, sind diese jetzt auf 9 Ausbildungsplätze zusammengeschrumpft. Es mussten Ausbildungsbetriebe wie die Telekom-Kantine bereits geschlossen werden. Aus dieser Perspektive heraus war es Zaug nicht möglich, den Laden zu übernehmen.
 
Hin und wieder wurden Überlegungen laut, einen Verein zwecks Übernahme des Nahkaufes gründen zu wollen. Ein solcher Verein hätte nur eine Chance, wenn er in höchstem Maße mit ehrenamtlichem Engagement betrieben würde. Dies ist nach Erkenntnissen von Branchenexperten zumeist nicht nachhaltig gegeben. Weiterhin muss bedacht werden, dass ein solcher Markt nur dann wieder eröffnet werden kann, wenn aus Sicht von Branchenexperten ca. 100.00 € in Ware und ca. 150.000 € in eine gebrauchte Ladeneinrichtung verausgabt werden. Das bedeutet, dass ein solcher Verein 250.000 € vorfinanzieren müsste. Dies erscheint mir als völlig unrealistisch.
 
Mittlerweile hat sich eine neue Situation ergeben. Rewe-Nahkauf hat unter Umständen doch einen Kaufmann, der das Objekt übernehmen möchte. Verhandlungen zwischen Rewe-Nahkauf und dem Investor über den Mietpreis ab 2014 laufen zur Zeit unter Beteiligung des Bürgermeisters. Eine Entscheidung wird in Kürze fallen.
 
Verbleibt am Schluss auch die Frage des Betreibens von kleineren Dorfläden. Für ein absolutes Grund- oder Notsortiment erscheint es durchaus möglich, Dorfläden umzusetzen. Diese können mit Sicherheit nicht kommerziell und wirtschaftlich betrieben werden. Ehrenamtliches Engagement ist in hohem Maße gefragt. Sofern es gelingt, das ehrenamtliche Engagement nachhaltig zu organisieren, erscheint ein solches Vorhaben möglich. Inwieweit die Bevölkerung einen Dorfladen annimmt oder nur die sog. „Vergesslichkeitskäufe“ dort tätigt, muss die Zukunft zeigen.
 
 
 
Thomas Bender
Bürgermeister



 


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